Welche Regelwerke der EU Green Deal umfasst
Die kompakte Themenstruktur findest du in der Tabelle unten. Die vollständige Regelwerks-Übersicht mit Stichtagen, Kerninhalten und allen Querverweisen bündelt Douana in einem separaten Beitrag: EU Green Deal Übersicht: alle Regelwerke 2025–2028.| Themenfeld | Worum es geht | Wichtigste Douana-Beiträge |
|---|---|---|
| Klima & CO₂-Grenzausgleich (CBAM) | Importeure von Zement, Stahl, Aluminium, Düngemittel, Strom und Wasserstoff müssen für eingebettetes CO₂ zahlen — definitive Phase ab 1.1.2026 | CBAM aktuell Mai 2026 · CBAM für Schweizer Stahlexporteure 2026 · CBAM ab 2026: neue Durchführungsbestimmungen · DDP-Lieferungen blockiert wegen CBAM |
| Entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) | Holz, Soja, Palmöl, Kakao, Kaffee, Rind, Kautschuk und daraus hergestellte Produkte dürfen nur dann in die EU, wenn keine Entwaldung nach 31.12.2020 nachweisbar ist | EUDR 2026: Praxisanleitung Schweizer Exporteure · EUDR-Codierungen in ATLAS und TARIC · EUDR: nicht in Panik verfallen, aber jetzt handeln |
| Sorgfaltspflichten & Reporting (CSRD, CSDDD, Omnibus) | Berichtspflichten zu Nachhaltigkeit (CSRD) und Sorgfaltspflichten entlang der Wertschöpfungskette (CSDDD) — durch das Omnibus-Paket 2025/2026 in den Schwellen vereinfacht, aber nicht abgeschafft | EU-Omnibus 2025/2026: CBAM, CSRD, CSDDD vereinfacht · EU-Verordnungsdschungel: Stand der Dinge · EU Omnibus 2025: was ändert sich beim CBAM |
| EU-Zwangsarbeitsverordnung (Forced Labour Regulation) | Ab 14.12.2027 dürfen in der EU keine Produkte mehr in Verkehr gebracht werden, die in Zwangsarbeit hergestellt wurden — abweichend von der US-UFLPA mit Risiko-statt Listen-Logik | EU-Zwangsarbeitsverordnung: was ab 14.12.2027 gilt · USTR Section 301 wegen Zwangsarbeit: 12,5 % US-Zoll |
| Greenwashing-Verbote (EmpCo, Green Claims) | Ab 27.9.2026 verboten: vage Umwelt-Aussagen, fehlende Belege, Klimaneutralitäts-Werbung ohne nachvollziehbare Methodik — gilt für Verpackungen und Marketing | EmpCo-Richtlinie: Greenwashing-Verbote ab 27.9.2026 · EU stoppt Greenwashing-Richtlinie: Hintergründe |
| Verpackungsverordnung PPWR & EPR | Recyclingfähigkeit, Rezyklatanteile, Wiederverwendungsquoten, erweiterte Herstellerverantwortung — ab 12.8.2026 Pflicht zur Konformitätserklärung; länderspezifisch bei den Quoten, EU-einheitlich beim Rahmen | PPWR 2025/40: neue Verpackungsverordnung · EPR-Compliance: Verpackungen, Elektrogeräte, Batterien · EU-Verpackungsvorschriften 2026: Länderunterschiede · Mythos «Verpackung vernichtet, Compliance erledigt» |
| Digitaler Produktpass (DPP) & Ecodesign (ESPR) | Produktbegleitende, maschinenlesbare Datenstrukturen zu Material, Herkunft, Reparierbarkeit, Recyclinggehalt — branchenweise ab 2026 verbindlich | Digitaler Produktpass DPP: für CH-Exporteure erklärt · EU-Kommission: FAQ-Sammlung zum DPP (CIRCABC) |
| Sektor-Vertiefungen | Wo mehrere Regelwerke gleichzeitig greifen — Aluminium, Stahl und der Schrott-Export als Beispiele für gestapelte Pflichten | Aluminium: Tarif, Ursprung, CBAM, Antidumping, Sanktionen · EU-Exportzölle auf Aluminiumschrott · Was sich 2026 ändert: warum Sendungen blockiert werden |
| Politische Lage & Vereinfachung | Die EU justiert das Paket aktuell nach — Schwellen werden angehoben, Stichtage verschoben, aber die Grundpflichten bleiben | EUDR, CBAM und die Minute vor Zwölf · CBAM-Zertifikatspreis ab 7.4.2026 |
Wie Schweizer Exporteure die EU-Nachhaltigkeitsregeln strukturiert angehen
Der häufigste Fehler ist, jede Verordnung isoliert als Projekt zu behandeln. Die Pflichten überlappen sich — wer es einmal richtig aufsetzt, bedient mehrere Regelwerke mit denselben Daten:- Tarifnummer als Anker nehmen. CBAM, EUDR und viele Verpackungsvorgaben sind tarifnummern-basiert. Eine saubere Einreihung zeigt sofort, welche Regelwerke greifen — und welche nicht.
- Stichtage chronologisch anordnen. CBAM (ab 1.1.2026), EmpCo Greenwashing (27.9.2026), Forced Labour Regulation (14.12.2027), PPWR-Übergangsfristen — ein zentraler Stichtagskalender vermeidet Last-Minute-Compliance.
- Datenanforderungen konsolidieren. Lieferantenangaben zu Herkunft, CO₂-Fussabdruck, Materialzusammensetzung, Sorgfaltsdokumenten — die selben Daten bedienen mehrere Regelwerke gleichzeitig. Ein einziges Lieferanten-Datenmodell spart Aufwand.
- Lieferketten-Sorgfalt in den Beschaffungsprozess integrieren. Lieferanten-Codes of Conduct, periodische Risikoanalysen, Audits — was für CSDDD verlangt wird, deckt grosse Teile der EUDR und der Forced-Labour-Verordnung mit ab.
- Reporting nicht als separates Projekt führen. CSRD-Datenpunkte überschneiden sich mit den Berichten zu CBAM, EUDR und Verpackungsverantwortung. Wer Reporting integriert aufsetzt, vermeidet zweifache Datenerfassung.
Wer in der EU und in der Schweiz zuständig ist
- EU-Kommission DG CLIMA, DG ENV, DG GROW, DG TRADE: Regulierungsstrang nach Themenfeld — Klima, Umwelt, Binnenmarkt, Aussenhandel
- EU-Mitgliedstaaten: nationale Umsetzung und Vollzug, mit teils erheblichen Unterschieden bei Schwellenwerten (besonders Verpackungs- und EPR-Quoten)
- BAFU (Schweiz): nationale Koordination bei Klima-, Stoff- und Produktthemen, Schnittstellen zur EU-Regulierung
- SECO (Schweiz): handels- und wirtschaftspolitische Koordination, Forced-Labour-Themen
- BAZG (Schweiz): Zoll-Schnittstelle für CBAM-relevante Importe, EUDR-Codierungen in der Anmeldung
Verwandte Wissens-Hubs und Kategorien
Die EU-Nachhaltigkeitsregeln greifen in mehrere andere Disziplinen ein — die Vertiefungen findest du hier:- Andere Wissens-Hubs: Zolltarif & Tarifierung (CBAM und EUDR sind tarifnummern-basiert) · Warenursprung & FHA (CBAM-Ursprungslogik bei Anlagen) · Exportkontrolle & Sanktionen (Forced-Labour-Verordnung wirkt sanktionsähnlich) · Schweizer Aussenhandel & Zollverfahren (BAZG-Schnittstelle)
- EU-Fachwissen (Kategorie): EU-Fachwissen-Übersicht mit allen EU-Verordnungsartikeln
- Nachhaltigkeit (Kategorie): alle Nachhaltigkeits-Beiträge
- Branchenbezug: Kategorie Branchen im Fokus mit sektorspezifischen Vertiefungen (Stahl, Aluminium, Halbleiter, Lebensmittel)
- Compliance-Querschnitt: Kategorie Organisation, Compliance & IKS — interne Steuerung der Nachhaltigkeitspflichten
Bildung, Beratung und Audits
- Lehrgang Trade Compliance Manager — die vertiefte Weiterbildung im Aussenhandel.
- Lehrgang Customs & Trade Professional — das Basisfundament für die Praxis im Zoll und Aussenhandel.
- Tagungen und Online Summits — laufende Übersicht der Douana-Fachtagungen und Online-Veranstaltungen.
- Professionelle Zollberatung in der Schweiz — strategische Begleitung zu CBAM, EUDR, Verpackungsverantwortung und Lieferketten-Compliance.
- Audit und Expertenberatung für Zollprozesse — inklusive Nachhaltigkeits-Compliance-Check.
Häufig gestellte Fragen
Gilt der EU Green Deal überhaupt für Schweizer Unternehmen?
Direkt nicht — die Schweiz ist nicht EU-Mitglied. Faktisch aber doch: Sobald ein Schweizer Unternehmen in die EU exportiert, eine Tochter in der EU hat oder als Lieferant in EU-Wertschöpfungsketten eingebunden ist, greift das Regelwerk vollständig. Bei CBAM zahlt der EU-Importeur — die Daten kommen jedoch zwingend vom Schweizer Hersteller. Bei der EUDR ist der Marktteilnehmer in der EU verantwortlich — der Schweizer Lieferant liefert die Sorgfaltsdokumente.Was bringt das Omnibus-Paket 2025/2026 für Vereinfachungen?
Das Omnibus-Paket hebt Schwellenwerte an und verschiebt einzelne Stichtage — kleinere Unternehmen fallen aus dem direkten Anwendungsbereich von CSRD und CSDDD, CBAM erhält eine 50-Tonnen-Bagatellgrenze pro Jahr und Importeur. Die Grundpflichten bleiben: Wer Schwellen überschreitet, ist voll betroffen. Wer in Lieferketten von Berichtspflichtigen liefert, bleibt indirekt gefordert.Wo überlappen sich CBAM, EUDR, CSRD und Forced-Labour-Verordnung?
Bei den Daten und beim Lieferantenmanagement. Alle vier verlangen Herkunfts- und Sorgfaltsdokumente — wer für CSDDD und CSRD ein robustes Lieferantenmanagement aufbaut, deckt grosse Teile von EUDR und der Forced-Labour-Verordnung mit ab. Wer die CBAM-Datenerfassung mit der Produkt-CO₂-Bilanz für CSRD-Reporting kombiniert, vermeidet doppelte Erfassung.Warum sind Verpackungen so prominent im EU Green Deal?
Verpackungen sind das sichtbarste Stück Kreislaufwirtschaft — und besonders fehleranfällig im grenzüberschreitenden Handel. PPWR, EPR-Systeme, EmpCo-Greenwashing-Verbote und länderspezifische Quoten greifen oft gleichzeitig. Dazu kommt: Verpackungs-Compliance ist auch dann verletzt, wenn die Ware selbst längst recycelt ist — die Pflicht haftet am Marktzugang, nicht am Produkt-Lebenszyklus.Was passiert, wenn ich die Forced-Labour-Verordnung ignoriere?
Ab 14. Dezember 2027 können EU-Behörden Produkte aus dem Verkehr ziehen, Warenflüsse stoppen und Bussen verhängen — das Risiko liegt beim EU-Marktteilnehmer, der Schweizer Lieferant verliert aber den Marktzugang. Anders als die US-UFLPA arbeitet die EU mit Risikoanalysen statt mit fixen Lieferantenlisten, was die Sorgfaltspflicht erhöht.Wie hängt das alles mit der Schweiz konkret zusammen?
Die Schweiz übernimmt nicht direkt EU-Verordnungen, gleicht aber im Klima-, Stoff- und Produktrecht regelmässig an. BAFU und SECO arbeiten an parallelen Vorlagen — eine reine «wir warten ab, was die EU macht»-Haltung führt mittel- bis langfristig zu doppeltem Anpassungsaufwand.Offizielle Quellen
- EU-Kommission — European Green Deal
- EU-Kommission — Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM)
- EU-Kommission — Deforestation Regulation (EUDR)
- EU-Kommission — Corporate Sustainability Due Diligence (CSDDD)
- BAFU — Bundesamt für Umwelt
CBAM-Rechner Schweiz: Betroffenheit & Kosten prüfen
Prüfen Sie direkt hier, ob eine Ware beim Export in die EU dem CBAM unterliegt, und schätzen Sie die Zertifikatskosten:
CBAM-Check & Kostenschätzer
Schritt 1: Betroffenheit prüfen · Schritt 2: Zertifikatskosten schätzen
Schritt 1 · Betroffenheit (Ursprung)
* Massgeblich für CBAM ist nicht der zollrechtliche Ursprung, sondern die konkrete Produktionsanlage. Was mit „Schweizer Ursprung“ gemeint ist, greifen wir in unserem Bericht CBAM-Anlagenursprung auf. Entscheidend für die CBAM-Ursprungsfrage ist der SECO-Rules-of-Origin-Abgleich CBAM (FHA vs. nichtpräferenzieller Ursprung), abrufbar unter «Downloads» auf der SECO-CBAM-Seite.
Schritt 2 · Kostenschätzung
Ist-Wert Ihrer Lieferanten oder EU-Standardwert (pro Produkt & Ursprungsland unterschiedlich).
Wird vom Zertifikatspreis abgezogen (falls nachweisbar).
