Hintergrund — der US-Iran-MoU vom 17. Juni 2026
GL X ist die erste konkrete Umsetzung eines Memorandum of Understanding (MoU), das die USA und Iran am 17. Juni 2026 unterzeichnet haben. Das interim-MoU sieht vor:- Einstellung militärischer Operationen an allen Fronten
- Rahmen für Verhandlungen über umfassendere Sanktionserleichterungen
- Wiedereröffnung der Strasse von Hormuz
Was GL X konkret erlaubt
Die Lizenz ist breit gefasst und deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab:- Transaktionen rund um die Produktion, den Verkauf, die Lieferung und das Entladen iranischer Erdölprodukte
- Zahlungen in US-Dollar an Iran, die iranische Regierung oder jede blockierte Person für den Kauf solcher Produkte
- Schiffe — auch derzeit blockierte Tanker — und deren Verwaltung, Bemannung, Bunkerung, Versicherung, Hafendienste
- Notfall-Reparaturen und Umweltschutzmassnahmen an den genannten Schiffen
Was GL X NICHT erlaubt
- Transaktionen mit Nordkorea, Kuba, sowie den besetzten Gebieten der Ukraine — diese bleiben unter umfassendem US-Embargo
- Personen, die in oder nach den Gesetzen dieser Jurisdiktionen organisiert sind
Kritisch für Schweizer Unternehmen: EU, UK und Schweizer Sanktionen bleiben in Kraft
GL X ist eine US-only-Massnahme. Die anderen Sanktionsregime gelten unverändert weiter:- EU-Sanktionen gegen Iran sind nicht angepasst worden. Die EU-Restriktionen gegen den iranischen Erdöl-Sektor bestehen weiter.
- UK-Sanktionen gegen Iran bleiben in voller Kraft.
- Schweizer Sanktionen auf "Shadow Fleet"-Tanker, die historisch für iranische Lieferungen genutzt wurden, bleiben aktiv — insbesondere im Russland-bezogenen Kontext.
Konsequenzen für Compliance-Verantwortliche
- Kein "GL X-Reflex": Mitarbeitende und Berater dürfen den OFAC-Schritt nicht als generelle Sanktionsentspannung interpretieren. US-Recht ist nur eine von mehreren Compliance-Ebenen.
- Mehrschicht-Screening behält Priorität: SDN-Liste der OFAC, EU-Sanktionsliste, SECO-Sanktionsmassnahmen, UK-Sanktionsliste, plus produktbezogene Exportkontrollen — alle bleiben relevant.
- Zahlungsverkehr-Banken sind oft konservativer: Auch wenn alle drei Rechtsordnungen ein Geschäft erlaubten, kann eine korrespondierende Bank das Geschäft ablehnen wegen interner Risk-Policy.
- Befristung beachten: Die GL X gilt nur bis 21. August 2026. Wer eine Transaktion in diesem Fenster eingeht, sollte sicherstellen, dass Lieferung, Zahlung und Dokumentation vor Fristablauf abgeschlossen sind — sonst droht ein Schwebezustand mit unklarem Rechtsstatus.
- Re-Imposition-Klausel monitoren: Sollte der US-Iran-MoU scheitern, kann OFAC die GL X jederzeit widerrufen. Vorgänge in laufender Lieferkette würden dann von Re-Imposition betroffen.
Strategischer Ausblick
GL X ist der erste sichtbare diplomatische Schritt einer breiteren Iran-Politik der Trump-Administration. Ob die zweimonatige Befristung verlängert oder durch eine permanentere Lösung ersetzt wird, hängt vom Verlauf der politischen Verhandlungen ab. Schweizer Unternehmen sollten die kommenden 60 Tage aktiv beobachten und ihre Sanktions-Compliance-Architektur darauf vorbereiten, kurzfristig auf Änderungen reagieren zu können — in beide Richtungen.Offizielle Quellen
- OFAC — Issuance of Iran-related General License (22.06.2026)
- US Treasury OFAC — Übersicht und SDN-Liste
- SECO — Sanktionen und Embargos
- EU-Kommission — Aktuelle Sanktionen
Vertiefung bei Douana
- Wissens-Hub Exportkontrolle, Sanktionen und Embargos
- Wissens-Hub US-Zollpolitik 2025–2026
- OFAC-Sanktionen verstehen — der Treasury-Leitfaden vom Juni 2026
- Schweiz stoppt Kriegsmaterialexporte an Iran-Konfliktparteien
- China kontert westliche Sanktionen 2026: Blocking Order und Dekrete 834/835
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