Die EU bereitet das 21. Sanktionspaket gegen Russland vor. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte es am 9. Juni 2026 an; die Europäische Kommission hat den Vorschlag inzwischen vorgelegt. Er setzt bei Energie, Finanz- und Kryptodienstleistungen sowie beim Handel an — und erfasst mit der Fischerei erstmals einen ganz neuen Sektor. Als inoffizielles Zieldatum für das Inkrafttreten wird der 15. Juli 2026 genannt.
Stand des Verfahrens
Das Paket ist ein Vorschlag der Kommission und noch nicht verabschiedet. Für die Annahme ist die Einstimmigkeit im Rat der EU erforderlich. Erst mit diesem Beschluss werden die Massnahmen rechtsverbindlich. Bis dahin können sich einzelne Punkte im Rahmen der Verhandlungen zwischen den Mitgliedstaaten noch verändern.Die Inhalte im Überblick
Energie
- Der Anpassungsmechanismus für den Ölpreisdeckel soll bis Januar 2027 ausgesetzt werden, um den Markt angesichts der geopolitischen Lage zu stabilisieren.
- Gelistet werden 30 weitere Schiffe — zusätzlich zu den bereits über 600 sanktionierten Einheiten.
- Erstmals werden auch Schiffe ins Visier genommen, die die «Schattenflotte» unterstützen, etwa durch Bunker-Dienstleistungen (Treibstoffversorgung auf See).
Finanz- und Kryptodienstleistungen
- Das Transaktionsverbot soll auf 31 weitere russische Banken ausgeweitet werden.
- Neu gelistet werden 20 Einrichtungen in Drittstaaten — darunter Banken, Krypto-Firmen bzw. -Plattformen und Ölhändler —, denen vorgeworfen wird, sanktionierte russische Akteure zu bedienen oder bei der Umgehung zu helfen.
- Vorgesehen ist zudem ein möglicher vollständiger Bann von Krypto-Dienstleistungen aus Drittstaaten, die als Umgehungsplattformen dienen.
Handel und Exportkontrolle
- Die Ausfuhrbeschränkungen gegen die russische militärisch-industrielle Basis werden erweitert — unter anderem auf zusätzliche Metalle und Legierungen für Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung.
- Neu erfasst werden auch drohnenbezogene Technologien: Bodenausrüstung, Störsender (Jamming) und Startsysteme.
- Neue Einfuhrverbote im Umfang von rund 60 Millionen Euro betreffen bestimmte Metalle, Metallerze und Automobilteile.
Fischerei — erstmals im Fokus
Zum ersten Mal enthält ein EU-Russland-Paket Sanktionen im Fischereibereich: erhebliche Beschränkungen für bestimmte Fischereierzeugnisse und vollständige Einfuhrverbote für andere — darunter Kabeljau.Angleichung an Belarus
Die für Belarus geltenden Beschränkungen sollen enger an jene gegen Russland angeglichen werden, um zu verhindern, dass Belarus als Umgehungskanal genutzt wird.Was das für Schweizer Unternehmen bedeutet
Die Schweiz übernimmt die EU-Russland-Sanktionen in der Regel im Rahmen des autonomen Nachvollzugs; der Bundesrat entscheidet jeweils über die Übernahme in die Verordnung über Massnahmen im Zusammenhang mit der Situation in der Ukraine. Sollte das 21. Paket im Rat angenommen werden, ist mit einer entsprechenden Umsetzung durch das SECO zu rechnen — wie schon beim 20. Sanktionspaket und den Vorgängerpaketen. Für die Praxis besonders relevant sind:- Umgehungsrisiken über Drittstaaten und Belarus — Geschäftspartner sorgfältig prüfen (Screening).
- Krypto- und Finanzdienstleistungen — mögliche neue Verbote für Dienstleister aus Drittstaaten im Blick behalten.
- Dual-Use- und Rüstungsnahe Güter — erweiterte Exportkontrolllisten (Metalle, Legierungen, Drohnentechnik) frühzeitig abgleichen.
- Energie- und Schifffahrtsbezug — Schattenflotten- und Bunker-Thematik bei Logistik- und Handelsketten beachten.
