Am 2. Juli 2026 haben die EFTA-Staaten – darunter die Schweiz – und Vietnam den Abschluss der Verhandlungen über ein umfassendes Freihandelsabkommen (FHA) bekannt gegeben. Für Schweizer Exporteurinnen und Exporteure ist das eine gute Nachricht – aber es lohnt sich, genau hinzuschauen: Ein Verhandlungsabschluss ist noch kein Abkommen, das in Kraft ist. Vorerst ändert sich an den Zöllen nichts.
Was ist passiert
Nach dem EFTA-Ministertreffen in Reykjavík (22. Juni 2026) verkündeten die EFTA (Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz) und Vietnam am 2. Juli 2026 den Abschluss der Verhandlungen. Für die Schweiz war Bundesrat Guy Parmelin beteiligt; er sprach ausdrücklich von einem Verhandlungsabschluss. Damit geht ein langer Weg zu Ende: Die Gespräche begannen 2012, stockten 2018 nach 16 Runden, wurden im September 2025 wieder aufgenommen und nach fünf weiteren Runden abgeschlossen – nach fast 14 Jahren.Wichtig: „abgeschlossen" heisst noch nicht „in Kraft"
Genau hier liegt der Punkt, den man verstehen muss. Ein Freihandelsabkommen durchläuft mehrere Stufen, bis Unternehmen tatsächlich davon profitieren:- Verhandlungsabschluss – inhaltliche Einigung auf den Vertragstext. Hier stehen wir heute (2. Juli 2026).
- Rechtliche Bereinigung und Übersetzung des Vertragstextes.
- Unterzeichnung durch die Vertragsparteien.
- Ratifizierung / parlamentarische Genehmigung in jedem EFTA-Staat. In der Schweiz genehmigt zuerst der Bundesrat, danach das Parlament; ein Abkommen kann zudem dem fakultativen Referendum unterstehen.
- Inkrafttreten – erst jetzt gelten die vereinbarten Zollsenkungen.
Vorteile des Abkommens
Mit dem Inkrafttreten – also erst nach den obigen Schritten – sind unter anderem vorgesehen:- EFTA-Seite: dauerhafte Abschaffung sämtlicher Zölle auf Industrieprodukte sowie Fisch und andere Meereserzeugnisse aus Vietnam.
- Vietnam-Seite: Abbau der Zölle auf den überwiegenden Teil der Industrie- und Fischereiprodukte aus EFTA-Staaten innerhalb von maximal elf Jahren.
- Landwirtschaft: zollfreier Zugang zum vietnamesischen Markt für Käse, Kaffee und Schokolade innerhalb von bis zu 16 Jahren.
Wirtschaftliche Bedeutung
Der Warenhandel zwischen den EFTA-Staaten und Vietnam belief sich 2025 auf rund 4,8 Milliarden Euro, mit einem Handelsüberschuss von 2,5 Milliarden Euro zugunsten Vietnams. Für die Schweiz ist Vietnam laut economiesuisse der drittwichtigste Handelspartner in Südostasien; über 100 Schweizer Firmen sind dort bereits tätig. Der Wirtschaftsdachverband hatte den Abschluss eines EFTA-Vietnam-FHA seit Langem als wirkungsvollste Massnahme zur Vertiefung der bilateralen Beziehungen gefordert – Vietnam gilt mit Wachstumsraten von über sechs Prozent und einer jungen Erwerbsbevölkerung als dynamischer Markt und strategischer Standort.Was Schweizer Unternehmen jetzt tun können
- Beobachten, nicht handeln: Solange das Abkommen nicht in Kraft ist, gelten die heutigen Zölle unverändert weiter.
- Vorbereiten: Wer künftig vom präferenziellen Marktzugang profitieren will, sollte frühzeitig prüfen, ob die eigenen Produkte die Ursprungsregeln erfüllen werden.
- Einordnen: Das Abkommen ergänzt das Netz der Schweizer Freihandelsabkommen – der genaue Nutzen hängt von Produkt, Ursprung und Zeitplan ab.
Quellen
- EFTA – Medienmitteilung „EFTA and Viet Nam conclude negotiations on a Free Trade Agreement" (2. Juli 2026): efta.int
- SECO – Freihandelsabkommen, Partnerland Vietnam: seco.admin.ch
- economiesuisse – „Schweiz–Vietnam: bilaterales Potenzial voll ausschöpfen": economiesuisse.ch