Composite Bild EU-US-Zollabkommen mit Hummer EU-Flagge und USA-Flagge
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Der Rat der Europäischen Union hat am 25. Juni 2026 die zwei Verordnungen formell verabschiedet, mit denen die EU die Zollverpflichtungen aus dem EU-US-Joint-Statement vom 21. August 2025 umsetzt. Damit ist der EU-seitige Gesetzgebungsprozess abgeschlossen — die Verordnungen werden nun unterzeichnet, im Amtsblatt veröffentlicht und treten am Tag danach in Kraft.

Was die zwei Verordnungen regeln

Verordnung 1 — Industriegüter und Agrarprodukte

Die Hauptverordnung umfasst zwei Stossrichtungen:
  • Zollfreiheit auf US-Industriegüter: Die verbleibenden Einfuhrzölle auf US-Industrieprodukte fallen weg.
  • Bevorzugter Marktzugang für US-Meeresfrüchte und ausgewählte, nicht-sensible Agrarprodukte: Über Zollkontingente (TRQs) und reduzierte Zollsätze erhalten US-Exporteure preferenzielle Konditionen.
Diese Verordnung gilt bis Ende 2029 — sie ist also auf vier Jahre befristet und bietet damit der EU einen klaren Ausstiegspunkt, falls die transatlantische Lage kippt.

Verordnung 2 — Hummer

Die zweite, fokussierte Verordnung verlängert die Zollaussetzung für Hummer-Importe (inklusive verarbeitetem Hummer) auf Most-Favoured-Nation-Basis (MFN) — also nicht US-exklusiv, sondern für alle WTO-Handelspartner. Sie gilt rückwirkend ab 1. August 2025 und läuft bis 31. Juli 2030.

Schutz- und Suspendierungsmechanismen

Die Verordnungen enthalten verstärkte Sicherheitsklauseln, die der EU-Kommission erlauben, bei kritischen Entwicklungen rasch zu handeln:
  • Schutzmechanismus gegen Importflut: Bei signifikanten Import-Surges, die der EU-Industrie ernsthaften Schaden zufügen oder zuzufügen drohen, kann die Kommission die Präferenzen aussetzen.
  • Suspendierung bei US-Pflichtverletzung: Erfüllt die USA ihre Verpflichtungen aus dem Joint Statement nicht, oder ergreift sie diskriminierende Massnahmen, kann die EU die Zollpräferenzen einseitig zurücknehmen.
Diese Mechanismen sind politisch wichtig: Sie geben der EU einen Hebel, falls die US-Administration einseitig Zölle erhöht oder andere protektionistische Schritte unternimmt.

Was die Verordnungen für Drittländer bedeuten

US-Industriegüter erhalten zollfreien Zugang zum EU-Binnenmarkt. Wie stark sich das auf die Wettbewerbssituation einzelner Drittland-Exporteure auswirkt, hängt vom konkreten Produkt und der jeweils geltenden Zoll- und Ursprungsregel ab — Schweizer Exporteure profitieren etwa über das EFTA-EU-Freihandelsabkommen bereits von Präferenzzöllen, sodass die Verschiebung produktspezifisch unterschiedlich ausfällt. Ein pauschaler Marktnachteil entsteht nicht automatisch, eine sektorspezifische Analyse lohnt sich aber, vor allem in Bereichen mit starkem US-Konkurrenzdruck (Maschinen, Chemie, Pharma, Spezialprodukte). Die in der Verordnung enthaltenen Schutz- und Suspendierungsmechanismen sind nicht US-exklusiv: Die EU-Kommission kann bei kritischer Importentwicklung auch gegenüber anderen Handelspartnern Massnahmen aktivieren — analog zur jüngst verabschiedeten EU-Stahl-Schutzverordnung 2026/1384. Für sensible Sektoren mit hohem Drittland-Importanteil bleibt das ein latentes Risiko.

Politischer Kontext

Das Joint Statement vom 21. August 2025 war ein politisches Rahmenwerk zwischen der EU-Kommission und der Trump-Administration, das die transatlantischen Handelsbeziehungen stabilisieren sollte — nach dem US-Strafzoll-Schock im Frühjahr 2025. Die jetzt verabschiedeten Verordnungen sind die EU-seitige Umsetzung; die USA hat ihre Verpflichtungen separat umgesetzt. Die Stabilität der Vereinbarung hängt davon ab, ob beide Seiten ihre Zusagen einhalten.

Was Drittland-Exporteure jetzt tun sollten

  • Sektorale EU-Markt-Beobachtung: In Bereichen mit hoher US-Konkurrenz die Preisentwicklung und das Absatzvolumen monatlich überwachen — produktspezifisch, nicht pauschal.
  • Eigene Zollkonditionen gegenrechnen: Wer über ein Freihandelsabkommen mit der EU verfügt, sollte die konkrete Differenz zwischen Präferenzzoll und neuem US-Null-Zoll pro relevanter Tarifposition kalkulieren.
  • Frühwarnsystem für Schutzmassnahmen: Die EU-Kommission veröffentlicht laufend Trade Defence Investigations — wer in einem überwachten Sektor exportiert, sollte die offiziellen Verfahrensregister regelmässig prüfen.
  • Differenzierungsstrategie schärfen: Wo der Zollvorteil schmilzt, müssen andere Differenzierungsmerkmale (Qualität, Liefersicherheit, Service, Nachhaltigkeit) stärker wirken.

Offizielle Quellen

Vertiefung bei Douana

Douana unterstützt bei der strategischen Positionierung in EU- und US-Märkten — von Marktbeobachtung über Zollkontingent-Strategie bis zur Schutzmassnahmen-Frühwarnung. Professionelle Zollberatung.

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