Die US-Zollbehörde CBP (Customs and Border Protection) hat eine "Forced Labor Enforcement Operational Guidance" veröffentlicht — ein konsolidiertes Nachschlagewerk, das erstmals alle drei Rechtsgrundlagen zur Bekämpfung von Zwangsarbeit in Lieferketten in einem Dokument zusammenführt: 19 U.S.C. § 1307, den Uyghur Forced Labor Prevention Act (UFLPA) und den Countering America's Adversaries Through Sanctions Act (CAATSA).
Für Schweizer Unternehmen, die in die USA exportieren oder Vorprodukte aus Regionen mit erhöhtem Zwangsarbeitsrisiko beziehen, lohnt sich ein genauer Blick — auch ohne direkten US-Bezug betrifft das Thema jede Lieferkette, die irgendwann US-Boden erreicht.
Ziel: mehr Transparenz über die Durchsetzungspraxis
CBP begründet die Guidance mit dem Wunsch nach "greater transparency across CBP's enforcement landscape". Bisher waren die Verfahren zu Withhold Release Orders (WRO), Findings, UFLPA-Vermutungsregel und CAATSA-Massnahmen über verschiedene Dokumente verstreut. Die neue Guidance bündelt sie erstmals in einer gemeinsamen Übersicht.Was die Guidance enthält
- Enforcement Process Maps für UFLPA, CAATSA, WRO und Findings — jeweils als Ablaufdiagramm, das zeigt, wie eine Sendung von der Verzollung bis zu einer möglichen Zurückhaltung (Detention) oder einem Ausschluss (Exclusion) verläuft.
- Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Importeure, wie sie auf eine Detention oder einen Exclusion-Bescheid reagieren können.
- Empfohlene Supply-Chain-Dokumentation für die UFLPA-Prioritätssektoren (u. a. Baumwolle, Polysilizium, Tomaten).
- Praktische Due-Diligence-Beispiele sowie Muster für Detentions- und Ausschlussschreiben und für Auslieferungs-/Ursprungszertifikate.
Was CBP von Importeuren erwartet
CBP formuliert es direkt: Importeure sollen ihre Lieferanten bereits vor einer möglichen Zurückhaltung der Ware sorgfältig prüfen ("conduct due diligence of their suppliers prior to detention of their goods") — nicht erst reaktiv, wenn eine Sendung bereits festgehalten wird. Praktisch bedeutet das:- Lieferkette bis zur Rohstoffebene dokumentieren, insbesondere bei Waren aus oder mit Vorprodukten aus Regionen mit erhöhtem UFLPA-Risiko.
- Nachweise (Rechnungen, Frachtpapiere, Ursprungszeugnisse, Zahlungsflüsse) so aufbewahren, dass sie im Ernstfall schnell vorgelegt werden können.
- Die in der Guidance enthaltenen Musterdokumente als Vorlage für die eigene Dokumentationspraxis nutzen.
Fazit
Die Operational Guidance schafft kein neues Recht, bündelt aber erstmals die praktische Anwendung von UFLPA, CAATSA und WRO/Findings an einer Stelle. Für Unternehmen mit US-Geschäft oder US-Endkunden in der Lieferkette ist sie eine konkrete Arbeitshilfe, um die eigene Due-Diligence-Dokumentation am tatsächlichen CBP-Prüfraster auszurichten, statt sich auf Einzelfallrecherche zu verlassen. Quelle: U.S. Customs and Border Protection, Originalseite: Forced Labor Enforcement Operational Guidance for Importers (veröffentlicht 12. Juni 2026, aktualisiert 17. August 2026). Das vollständige PDF finden Sie oben zum direkten Download.☕ Gefällt dir Douana?
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