Was sich für Schweizer Exporteure ändert
Bisher profitierten nur rund 53,6 % der Schweizer Exporte vom zollfreien Zugang nach China — der Rest, darunter viele Industrieprodukte, blieb bei Teilkonzessionen hängen. Mit dem optimierten FHA werden mittelfristig 99,8 % zollfrei, davon bereits 77,5 % ab Inkrafttreten. Das zusätzliche Zolleinsparungspotenzial schätzt das SECO auf rund CHF 244 Millionen jährlich. Am stärksten profitieren Branchen, die bisher kaum von Zollerleichterungen profitierten:- Uhren: von 1 % auf 100 % zollfreie Handelsabdeckung
- Pharma und Chemie: von 29–50 % auf 100 %
- Maschinenbau und Elektrotechnik: von 75–89 % auf 100 %
Einfachere Ursprungsregeln
Für die Praxis mindestens so wichtig wie die Zollsätze: Die Ursprungsregeln werden gelockert. Unter bestimmten Bedingungen dürfen Verarbeitungsschritte künftig auch in einem Drittstaat stattfinden, und die bisherige Pflicht zum Direkttransport zwischen der Schweiz und China für die Präferenzbehandlung fällt weg. Dazu kommen elektronische EUR.1-Ursprungszeugnisse und ein direkter Datenaustausch zwischen den Zollbehörden — beides reduziert den administrativen Aufwand bei der Anwendung der Präferenz spürbar.Neu: eigenes Kapitel zum Digitalhandel
Erstmals verhandelten die Schweiz und China ein eigenständiges Kapitel zum digitalen Handel — mit Regeln zu grenzüberschreitenden Sammelsendungen im Online-Handel und zur Förderung des papierlosen Handels durch elektronische Dokumente. Für Unternehmen mit digitalem Geschäftsmodell oder grenzüberschreitendem Online-Handel schafft das mehr Rechtssicherheit als bisher.Nachhaltigkeit und Arbeitsrecht: für China ein Novum
Bemerkenswert ist, wie weit China hier gegangen ist: Erstmals in einem chinesischen Freihandelsabkommen verpflichtet sich das Land zur Achtung der ILO-Kernarbeitsnormen — Vereinigungsfreiheit, Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit, Nichtdiskriminierung, Arbeitssicherheit. Bisher standen solche Bestimmungen nur in einem separaten Nebenabkommen, jetzt sind sie Teil des eigentlichen FHA-Textes. Auch im Umweltbereich kommen verbindliche Verpflichtungen dazu, unter anderem zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens, zu sauberer Energie und Kreislaufwirtschaft.Wie geht es weiter?
Die Abkommenstexte durchlaufen aktuell die rechtliche Bereinigung. Danach bereiten beide Seiten die Unterzeichnung noch im Jahr 2026 sowie die anschliessenden innerstaatlichen Genehmigungsverfahren vor. Bis zur tatsächlichen Anwendung der neuen Zollsätze dürfte damit noch einige Zeit vergehen — für die betriebliche Planung lohnt sich aber schon jetzt ein Blick auf die eigene Warenpalette: Wer heute mit Teilkonzessionen nach China exportiert, sollte prüfen, ob die eigenen Produkte zu den Gewinnern der neuen Zolltabelle gehören. Einen Gesamtüberblick über alle Schweizer Handelsabkommen finden Sie in unserer Übersicht der Freihandelsabkommen der Schweiz.Quelle: Die Schweiz und China schliessen die Verhandlungen über die Optimierung des Freihandelsabkommens ab (admin.ch, 20.08.2026); Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), Factsheet «Optimisation of the Switzerland–China FTA» (20.08.2026). Stand: August 2026.
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