Was das CPTPP ist — und der aktuelle Stand
Das CPTPP (Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership) ist eine der grössten präferenziellen Freihandelszonen der Welt. Aktuell zählt es zwölf Mitglieder: die elf Gründungsstaaten Australien, Brunei, Kanada, Chile, Japan, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Peru, Singapur und Vietnam — sowie neu Grossbritannien. Die Einordnung des CPTPP im Zusammenspiel mit den anderen grossen asiatischen Abkommen (ASEAN, RCEP) haben wir in unserem ausführlichen Beitrag Handelsabkommen in Asien: ASEAN, CPTPP und RCEP aufbereitet — dort steht die grosse Übersicht.Grossbritannien: erstes Mitglied ausserhalb des Pazifikraums
Grossbritannien hat das Beitrittsprotokoll am 16. Juli 2023 unterzeichnet und 2024 ratifiziert. Am 15. Dezember 2024 trat der Beitritt formell in Kraft — das UK wurde damit als erstes europäisches und erstes ausser-pazifisches Land der zwölfte CPTPP-Vertragsstaat. Zollrechtlich wichtig ist eine Besonderheit: Das Inkrafttreten gilt nicht automatisch gegenüber allen Mitgliedern gleichzeitig. Nach Art. 21 des UK-Beitrittsprotokolls muss jede bestehende Vertragspartei den UK-Beitritt einzeln ratifizieren beziehungsweise notifizieren, bevor CPTPP-Präferenzen im jeweiligen bilateralen Verhältnis greifen. Stand heute (24. August 2026) ist das CPTPP zwischen dem UK und Australien, Brunei, Chile, Japan, Malaysia, Neuseeland, Peru, Singapur und Vietnam bereits anwendbar; Mexiko kam erst am 22. Juni 2026 hinzu. Eine Ausnahme bildet Kanada: Die innerstaatlichen Verfahren sind zwar abgeschlossen, das Abkommen tritt im Verhältnis UK–Kanada aber erst am 1. September 2026 in Kraft — bis dahin lässt sich für diese Handelsbeziehung noch keine CPTPP-Präferenz beanspruchen. Für die Praxis heisst das: Die britische CPTPP-Mitgliedschaft als solche steht fest, aber im konkreten Präferenzfall muss zusätzlich geprüft werden, ob das Abkommen zwischen UK und dem jeweiligen Partnerstaat bereits in Kraft ist.Was sich 2026 bewegt
- Vietnam hat 2026 den Vorsitz inne und treibt die Agenda voran.
- Die Mitglieder haben den ersten „General Review" des Abkommens abgeschlossen — eine Grundsatzüberprüfung mit Blick auf Modernisierung.
- Es wurden vorbereitende Beitrittsgespräche mit Indonesien, den Philippinen und den Vereinigten Arabischen Emiraten aufgenommen; formelle Beitrittsverhandlungen laufen mit Costa Rica und Uruguay.
- Anträge weiterer Interessenten (u. a. China und Taiwan) liegen vor, sind aber politisch blockiert — die Aufnahme neuer Mitglieder erfordert den Konsens aller bestehenden Parteien.
Wo die Schweiz steht
Die Schweiz ist kein Mitglied des CPTPP und hat kein Beitrittsgesuch gestellt. Den Marktzugang zu wichtigen CPTPP-Staaten sichert sie über ihr eigenes, dichtes Netz an Freihandelsabkommen — teils bilateral (etwa mit Japan), teils gemeinsam im Rahmen der EFTA (etwa mit Kanada, Mexiko, Chile, Peru, Singapur). Dadurch besteht zu mehreren CPTPP-Mitgliedern bereits präferenzieller Zugang. Ein CPTPP-Beitritt wurde politisch geprüft. Der Bundesrat hat dabei ausdrücklich anerkannt, dass die Zollsenkungen zwischen den CPTPP-Parteien Wettbewerbsnachteile für Schweizer Exporteure mit sich bringen können — vor allem gegenüber Ländern, mit denen die Schweiz (noch) kein eigenes Freihandelsabkommen hat. Zugleich verwies er auf die Herausforderungen eines Beitritts (rechtliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Abwägungen, etwa bei der Prüfung von Präferenznachweisen). Die parlamentarische Behandlung dieser Frage ist im Curia-Vista-Geschäft 20.4390 dokumentiert.Wichtig: Über die britische Mitgliedschaft gibt es keinen CPTPP-Zugang für die Schweiz
Ein verbreitetes Missverständnis: Weil Grossbritannien nun dabei ist, bekomme eine Schweizer Firma quasi automatisch Zugang zum CPTPP-Raum. Das stimmt nicht. CPTPP-Präferenzen und die Ursprungskumulation gelten nur für Waren mit CPTPP-Ursprung zwischen den Mitgliedstaaten — und die Schweiz ist keines. Ein Schweizer Vorprodukt zählt in der CPTPP-Ursprungsrechnung nicht als begünstigendes Ursprungsmaterial. Der Handel zwischen der Schweiz und Grossbritannien läuft weiterhin über das bilaterale Schweiz-UK-Freihandelsabkommen, nicht über das CPTPP. Wer Lieferketten in den pazifischen Raum plant, sollte diese Unterscheidung kennen — sonst rechnet man mit Präferenzen, die gar nicht anwendbar sind.Was das für Schweizer Exporteure bedeutet
Angesichts der Spannungen im Handel mit den USA rückt die Diversifizierung der Absatzmärkte in den Vordergrund — und der wachsende CPTPP-Raum ist dabei ein relevanter Faktor. Für die Praxis heisst das:- Prüfen, wo bereits ein Schweizer Freihandelsabkommen greift — zu vielen CPTPP-Staaten besteht bereits präferenzieller Zugang, den man nutzen sollte.
- Lücken erkennen: Gegenüber CPTPP-Mitgliedern ohne Schweizer Freihandelsabkommen können relative Nachteile entstehen, weil dortige Wettbewerber innerhalb des CPTPP zollbegünstigt liefern.
- Ursprungsregeln sauber trennen: Welche Präferenz auf welcher Grundlage gilt (bilaterales FHA, EFTA-Abkommen — nicht CPTPP), entscheidet über die korrekte Kalkulation.
Quellen: UK-Regierung (gov.uk): The UK and the CPTPP, Stand 16.07.2026; CPTPP-Kommission / Vorsitz Vietnam 2026 (offizielle Mitteilungen zu General Review und Beitrittsgesprächen); Schweizer Bundesrat / Parlament (Curia Vista) zur CPTPP-Frage; SECO – Freihandelsabkommen und EFTA. Stand: August 2026.
Hat dir ein Douana-Beitrag schon mal den Tag gerettet? Eine Ursprungsregel geklärt, ein Bussgeld vermieden, eine Stunde Recherche gespart? Alles hier bleibt gratis – aber wenn du willst, kannst du dich revanchieren:
Am Desktop zeigt RaiseNow den TWINT-QR, auf dem Handy öffnet sich TWINT direkt.

