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IEEPA-Zölle: Rückerstattungen, Gerichtsbeschlüsse und neues CBP-Verfahren (Stand 8. März 2026)

Die IEEPA-Zusatzzölle der Trump-Ära sind rechtlich gekippt, aber ihre Rückerstattung bleibt praktisch komplex. Gerichte haben klargestellt, dass diese Zölle unzulässig waren und grundsätzlich zurückerstattet werden müssen. Gleichzeitig ringt die US-Zollbehörde CBP mit der Umsetzung und baut ein neues, automatisiertes Verfahren im System ACE auf, das frühestens in einigen Wochen einsatzbereit sein dürfte.

Rechtslage: Supreme Court und CIT-Entscheidungen

Der Supreme Court hat im Februar 2026 entschieden, dass die auf Basis des IEEPA erhobenen Zölle keine taugliche Rechtsgrundlage hatten. Einen Überblick über die rechtlichen Handlungsoptionen der USA nach dem Urteil finden Sie in unserer separaten Analyse. Darauf aufbauend hat das U.S. Court of International Trade (CIT) im Fall „Atmus Filtration Technologies v. United States" angeordnet, dass Einfuhren mit IEEPA-Zöllen so zu behandeln sind, als wären diese Zölle nie erhoben worden. Kern der Anordnung:
  • Einträge, die noch nicht liquidiert sind, müssen ohne IEEPA-Zölle liquidiert werden.
  • Einträge, die bereits liquidiert, aber noch nicht endgültig sind (z.B. innerhalb der Protestfrist), müssen reliquidiert werden – ebenfalls ohne IEEPA-Zölle.
Das Gericht hat zudem deutlich gemacht, dass dieser Vorteil nicht nur für die Kläger gelten soll: Alle Importeure, deren Einträge IEEPA-Zöllen unterlagen, sind grundsätzlich anspruchsberechtigt.

Liquidation, Verlängerungen und Bedeutung für Rückerstattungen

Im US-Zollrecht ist die Liquidation der Punkt, an dem eine Einfuhr abrechnungsmässig „geschlossen" wird. CBP liquidiert Einträge in der Regel etwa 314 Tage nach der Einfuhr, kann diese Frist aber mehrmals verlängern. Solange eine Liquidation noch aussteht oder durch Gerichtsbeschluss ausgesetzt ist, bleibt der Eintrag offen für Korrekturen und Rückerstattungen. Wichtige Kategorien:
  • Verlängerung durch CBP: Die Behörde verschiebt die Liquidation administrativ, ohne Gericht.
  • Gerichtliche Aussetzung: Im Rahmen von Klagen kann ein Gericht anordnen, dass Einträge vorerst nicht liquidiert werden.
Je nach Status (unliquidiert, verlängert, gerichtlich ausgesetzt, bereits endgültig liquidiert) unterscheiden sich Möglichkeiten, Wege und Fristen für Rückerstattungen deutlich.

Status der Einträge und typische Folgen

Status des Eintrags Rechtslage nach CIT Praktische Konsequenz aktuell
Noch nicht liquidiert Muss ohne IEEPA-Zölle liquidiert werden Rückerstattung über neues CBP-Verfahren zu erwarten
Liquidiert, aber noch nicht endgültig Soll reliquidiert werden Proteste/Korrekturen möglich, Rückerstattung realistisch
Endgültig liquidiert (Fristen abgelaufen) Nicht direkt durch Atmus gesichert Nur spezielle Strategien / Verfahren denkbar

Neue Wendung: Gericht setzt „sofortige" Umsetzung aus

Ursprünglich hatte das CIT angeordnet, dass CBP mit der Rückzahlung beginnen muss, inklusive automatisch verarbeiteter Refunds. Nach einer ausführlichen Erklärung von Brandon Lord (CBP, Trade Programs) hat das Gericht diese Pflicht zur sofortigen Umsetzung am 6. März 2026 aber vorläufig ausgesetzt. Wesentliche Punkte aus dieser Entwicklung:
  • CBP hat dem Gericht dargelegt, dass das bestehende System eine sofortige, flächendeckende Rückerstattung technisch und organisatorisch nicht bewältigen kann.
  • Das Gericht hat daraufhin seine frühere Order „soweit sie sofortige Umsetzung verlangt" suspendiert, um CBP Zeit für eine tragfähige Lösung zu geben.
  • Die Pflicht zur Rückerstattung als solcher bleibt damit bestehen, aber der Zeitdruck für eine sofortige Auszahlung ist reduziert.
Damit hat sich der Fokus kurzfristig von der Frage „muss CBP sofort zahlen?" zur Frage „wie genau wird CBP zahlen?" verschoben.

Umfang der Aufgabe

Die von CBP offengelegten Zahlen zeigen, warum der Prozess nicht trivial ist:
  • Über 330 000 Importeure sind betroffen.
  • Rund 53 Millionen Einträge enthalten IEEPA-Zölle oder entsprechende Deposits.
  • Das Gesamtvolumen der betroffenen IEEPA-Zölle und geschätzten Deposits liegt bei etwa 166 Milliarden US-Dollar.
Allein an bestimmten Stichtagen (z.B. 6. und 13. März) wären Hunderttausende IEEPA-relevante Einträge zur Liquidation fällig, wenn CBP nichts an seinen Prozessen ändern würde.

Geplantes neues CBP-Verfahren im System ACE

CBP hat dem Gericht einen neuen Weg vorgeschlagen, wie die Rückerstattungen technisch abgewickelt werden sollen. Dieser Ansatz setzt auf neue Funktionalitäten im System „Automated Commercial Environment" (ACE) und soll innerhalb von rund 45 Tagen einsatzbereit sein. Der geplante Ablauf:
  1. Importer-Erklärung in ACE
    Importeurinnen und Importeure sollen in ACE eine Erklärung einreichen, in der sie alle betroffenen Einträge (mit IEEPA-Zöllen) auflisten.
  2. Automatisierte Prüfungen und Neuberechnungen
    ACE soll die Einträge automatisch validieren und die geschuldeten Zölle neu berechnen – diesmal ohne IEEPA-Komponente – sowie die fälligen Zinsen berechnen.
  3. Prüfung durch CBP
    CBP prüft die vom System erzeugten Ergebnisse und kontrolliert insbesondere, ob Einträge korrekt identifiziert sind, ob andere zollrechtliche Pflichten (z.B. andere Zusatzzölle, AD/CVD, Penalties) bestehen und ob offene Durchsetzungs- oder Compliance-Themen vorliegen.
  4. Liquidation oder Reliquidation
    ACE soll die betroffenen Einträge automatisch liquidieren oder reliquidieren – jeweils ohne IEEPA-Zölle.
  5. Aggregation und Auszahlung
    Das System fasst die berechneten Rückerstattungen (inkl. Zinsen) nach Importeur und Liquidationsdatum zusammen. CBP zertifiziert diese Beträge, und das U.S. Department of the Treasury zahlt sie elektronisch aus; pro Importeur ist ein „Single Payment" vorgesehen, unabhängig von der Zahl der Einträge.
Seit Anfang 2026 werden CBP-Rückerstattungen ohnehin nur noch elektronisch abgewickelt, was sich gut in diesen Ansatz einfügt.

Juristische Lage vs. technische Umsetzung

Dimension Juristische Seite Technische/operative Seite
Rechtsgrundlage IEEPA-Zölle unzulässig, Rückerstattung angeordnet Bestehende Systeme überfordert, neue ACE-Funktion in Arbeit
Reichweite Gilt für alle betroffenen Importeure („nationwide") Über 53 Mio. Einträge, ca. 166 Mrd. USD betroffen
Zeitachse Orders des CIT gelten grundsätzlich sofort CBP plant ca. 45 Tage bis zur Einsatzfähigkeit des neuen Systems
Aktueller Stand Sofortige Umsetzung teilweise ausgesetzt CBP muss dem Gericht Fortschritt berichten (u.a. 12. März)
Risiko Mögliche weitere Rechtsmittel und Folgeklagen Technische Verzögerungen, Ressourcenengpässe, Datenqualität

Warum die Rückerstattung Zeit braucht

Mehrere Faktoren machen deutlich, dass der Prozess Monate dauern dürfte:
  • Die Kombination aus riesigem Volumen und der Forderung nach korrekter, interessenfähiger Abwicklung führt dazu, dass CBP keine „Schnellknopf-Lösung" nutzen kann.
  • Das Gericht hat zwar die sofortige Umsetzung ausgesetzt, wird aber den Fortschritt genau überwachen und Zwischenberichte (z.B. zum 12. März 2026) einfordern.
  • Die Regierung könnte weitere Rechtsmittel nutzen, um Details der Reichweite oder des Zeitplans anzufechten, was zusätzliche Unsicherheit bringt.
Für die Praxis bedeutet das: Der Anspruch ist grundsätzlich da, aber der Zeitpunkt und die genaue Form der Auszahlung sind noch in Bewegung.

Was Unternehmen jetzt konkret tun sollten

Für Importeure, die IEEPA-Zölle gezahlt haben, ändert sich durch die neuen Entwicklungen vor allem eines: Die Bedeutung guter Vorbereitung steigt weiter. Sinnvolle Schritte sind unter anderem:
  • Eintragsbestände analysieren – Betroffene Einträge identifizieren und nach Status sortieren: unliquidiert, verlängerter Status, unter Protest, bereits endgültig liquidiert.
  • Zahlungs- und Brokerdaten sammeln – Broker-Abrechnungen, Zahlungsnachweise und interne Buchungsdaten aufbereiten und mit den Entry Numbers abgleichen.
  • Dokumentation konsolidieren – Rechnungen, Ursprungsnachweise, HTS-Klassifikationen, interne Prüfvermerke und Korrespondenz bündeln, um im ACE-Verfahren schnelle, konsistente Angaben machen zu können.
  • Systemseitige Vorbereitung – Sicherstellen, dass ACE-Zugänge und elektronische Refund-Kanäle (z.B. ACH) korrekt eingerichtet sind, und intern klären, wer das ACE-Refund-Verfahren operativ steuert.
  • Fristen überwachen – Protest- und andere Fristen im Blick behalten, insbesondere für Einträge, die zwar liquidiert, aber noch nicht endgültig sind.
Auch ausländische Lieferanten – etwa Unternehmen in der Schweiz oder der EU – sollten damit rechnen, dass US-Kunden verstärkt Daten und Dokumente anfordern, um die notwendigen ACE-Erklärungen sauber abgeben zu können. Weitere Informationen zur Vorbereitung finden Sie in unserem Leitfaden zur IEEPA-Zollrückerstattung. Zum parallelen Übergangsrecht und dem aktuellen Section-122-Importzuschlag: Section 122: Übergangsrecht und praktische Konsequenzen für Schweizer Exporteure.

Fazit

Die Rückerstattung der IEEPA-Zölle ist auf der Rechtsseite weitgehend entschieden, auf der Umsetzungsebene aber noch im Umbau. Das CIT hat die Tür für landesweite Refunds geöffnet, seine Anordnung zur sofortigen Umsetzung jedoch vorläufig ausgesetzt, um CBP Zeit für ein tragfähiges ACE-basiertes Verfahren zu geben. CBP arbeitet an einem neuen System, das Rückerstattungen weitgehend automatisiert, aber importerseitig deklarationsbasiert abwickeln soll – mit der Zielmarke von etwa 45 Tagen bis zur Einsatzfähigkeit. Für Unternehmen bedeutet das: Es wird keine schnelle Pauschallösung geben, sondern einen daten- und systemgetriebenen Prozess mit hoher formaler Anforderung. Wer jetzt seine Einträge, Daten und Dokumente strukturiert vorbereitet, schafft die Voraussetzung, um in diesem neuen Verfahren zügig und rechtssicher zu handeln.
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