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Seit November 2024 hat US-Präsident Donald Trump laut Bloomberg insgesamt 49 Zoll-Androhungen gemacht. Davon wurden nur rund 27 % tatsächlich in Massnahmen umgesetzt, während etwa 73 % wieder zurückgenommen wurden.
Beispiele für zurückgezogene Drohungen sind unter anderem jene über Zölle im Zusammenhang mit Grönland, wiederholte Androhungen gegen ausländische Filme, Drohungen über Zölle gegen BRICS-Länder sowie die Ankündigung sogenannter „sekundärer Zölle“ gegen Staaten, die Geschäfte mit Venezuela oder dem Iran machen.
Viele weitere angekündigte Zölle – etwa auf Halbleiter, kritische Mineralien oder Arzneimittel nach Abschnitt 232 – wurden trotz wiederholter Drohungen im letzten Sommer nicht eingeführt.
Trump hat in der Praxis eher daran gearbeitet, das US-Zollsystem strukturell umzubauen, etwa durch sogenannte „universelle und gegenseitige“ Zölle, als die einzelnen, öffentlichkeitswirksamen Drohungen tatsächlich umzusetzen. Ausnahmen bilden beispielsweise Zölle auf Importe aus Indien im Zusammenhang mit russischen Ölimporten und Zölle auf brasilianische Waren nach diplomatischen Spannungen.
In den vergangenen Monaten hat die Regierung viele Zölle still und leise zurückgenommen, während gleichzeitig Handelsabkommen ausgehandelt wurden. Das Ziel scheint zu sein, kurzfristige Risiken zu reduzieren, Handelspartner zu beruhigen und Verhandlungen zu ermöglichen, statt auf eine Eskalation zu setzen.
Zudem hat die Regierung Massnahmen ergriffen, die darauf abzielen, die wirtschaftlichen Folgen der Zölle abzufedern:
Die Zollbefreiungen für bestimmte Lebensmittel wurden verlängert, geplante Erhöhungen bei Holz-Importzöllen wurden verschoben, und vorgeschlagene Gebühren für chinesische Schiffe wurden zurückgezogen. Diese Schritte deuten darauf hin, dass „Bezahlbarkeit“ und geringere Belastung für Verbraucher und Unternehmen eine Rolle spielen.
Ein negatives Urteil des Obersten US-Gerichts über Zölle auf Basis des IEEPA-Gesetzes würde es der Regierung noch schwerer machen, aggressive Zolldrohungen durchzusetzen. Selbst wenn die Regierung versuchen würde, viele ihrer „universellen und gegenseitigen“ Zölle über andere gesetzliche Befugnisse anzupacken, wäre dies rechtlich oft komplexer und zeitaufwendiger, da diese Befugnisse meistens an handelsbezogene Fragen und bestimmte Fristen gebunden sind.
Trotz dieser Zurücknahmen und rechtlichen Unsicherheiten sind die Zolleinnahmen für das Haushaltsjahr 2026 bis Dezember stark gestiegen – sie liegen bei rund 90 Milliarden US-Dollar, was etwa 4,5-mal so hoch ist wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres 2025.