Die Schweiz führt mit den Titelzusätzen "Professional Bachelor" und "Professional Master" eine bedeutende Reform durch. Diese internationalen Bezeichnungen machen Abschlüsse der höheren Berufsbildung weltweit verständlicher und stärken damit die Position von Fachpersonen in einer globalisierten Arbeitswelt erheblich.
Neue internationale Titel stärken die höhere Berufsbildung und verbessern die Chancen von Fachpersonen auf dem globalen Arbeitsmarkt
Professional Bachelor und Professional Master: Schweiz modernisiert die Berufsbildung

Inhalt

Die geschichtliche Entwicklung zu diesem Beschluss

Seit dem Jahr 2012 führte die Schweiz intensive Diskussionen über international verständliche Titel für ihre Berufsabschlüsse. Der politische Konsens fehlte lange Zeit, bis sich die Ausgangslage grundlegend veränderte.
Parlamentarische Entscheidungen
Die beiden Räte des Schweizer Parlaments verabschiedeten die Gesetzesänderung mit überwältigender Mehrheit: Der Ständerat stimmte am 8. September 2025 mit 45 zu 0 Stimmen zu[3]. Der Nationalrat folgte kurz darauf und beschloss die Vorlage am 10. Dezember 2025 ebenfalls deutlich.
Noch nie zuvor wurde eine entsprechende Vorlage so klar angenommen. Dieser breite politische Konsens zeigt, dass die Notwendigkeit für eine Modernisierung unstrittig geworden ist.

Wie die neuen Titel strukturiert und angewendet werden

Die Reform des Berufsbildungsgesetzes sieht eine klare Struktur für die beiden neuen Titelzusätze vor.
Titelzuordnungen
  • Der Titelzusatz "Professional Bachelor" wird Absolventinnen und Absolventen von eidgenössisch anerkannten Fachausweisen und Abschlüssen einer HF verliehen.
  • Der Titelzusatz "Professional Master" kennzeichnet eidgenössisch anerkannte Diplome von höheren Fachprüfungen.
Die neuen Titel werden nicht isoliert verwendet, sondern stets als Ergänzung zum bestehenden geschützten Titel. Ein Beispiel verdeutlicht dies: Statt nur "eidg. dipl. Aussenhandelsleiterin" kann die Fachperson künftig "Dipl. Aussenhandelsleiterin, Professional Master" führen. Oder eine Person mit Fachausweis trägt den Zusatz "Zolldeklarant, Professional Bachelor".

Internationale Vergleichbarkeit als Kernziel der Reform

Das zentrale Ziel der Reform ist es, Schweizer Berufsabschlüsse international verständlicher zu machen[1]. Bislang waren Abschlüsse wie der eidgenössische Fachausweis, das eidgenössische Diplom oder ein HF-Abschluss im Ausland schwer einzuordnen.
Praxisorientierte KompetenzenObwohl diese Qualifikationen auf hohem Niveau angesiedelt sind und stark praxisorientierte Kompetenzen vermitteln, fehlte internationalen Arbeitgebenden ein vertrauter Referenzrahmen. Mit den neuen Titelzusätzen wird diese Lücke geschlossen.
"Professional Bachelor" und "Professional Master" sind Bezeichnungen, die weltweit sofort verstanden werden und die Platzierung auf Tertiärstufe unmittelbar erkennbar machen.

Konkrete Vorteile für Fachpersonen und Betriebe

Die Einführung der neuen Titelzusätze bringt unmittelbare Vorteile für verschiedene Stakeholder. Für junge Berufspersonen, die eine Alternative zum akademischen Weg suchen, wird die Attraktivität deutlich erhöht.
  • Die Kompetenz wird für Arbeitgeber, Partner und potenzielle Auftraggeber direkter erkennbar
  • Dies verbessert die Mobilität von Fachpersonen, die Einordnung in internationale Teams und die Chancen auf entsprechende Rollen im Ausland erheblich.

Weitere Modernisierungen im Rahmen der Gesetzesrevision

Die Reform des Berufsbildungsgesetzes beschränkt sich nicht nur auf die neuen Titelzusätze.
Weitere Massnahmen
  • Zulassung von Englisch als zusätzliche Prüfungssprache
  • Titelsschutz für höhere Fachschulen
  • Flexibilisierung von Nachdiplomstudien
Künftig dürfen nur noch Anbieter eidgenössisch anerkannter Bildungsgänge die Bezeichnung "Höhere Fachschule" verwenden. Dies zwingt einzelne Anbieter, Ihre Schulbezeichnung zu ändern, da höhere Fachschule nun voraussichtlich geschützt sein wird für den Titel HF".
Bundesgesetz BBG-Änderung

Übergangsregelungen und praktische Umsetzung

Die genaue Inkraftsetzung der neuen Titelzusätze wird vom Bundesrat festgelegt.
Rückwirkende Anwendung: Sobald das Gesetz in Kraft tritt, dürfen die neuen Titelzusätze auch für bereits erworbene Abschlüsse der höheren Berufsbildung geführt werden.
Ein Fachausweis von 2015 kann nachträglich mit "Professional Bachelor" bezeichnet werden. Der Titelzusatz darf jedoch nicht alleine geführt werden.

Warum diese Reform jetzt der richtige Zeitpunkt ist

Die Bundesrätin und Kommissionssprecherin Katharina Prelicz-Huber betont, dass dies ein wichtiges Signal gegen den Fachkräftemangel und zur Steigerung der Berufsattraktivität in der Schweiz ist.
Gesellschaftliche AnerkennungDie neuen Titelzusätze signalisieren eine gesellschaftliche Anerkennung. Junge Menschen, die berufliche Pfade einschlagen möchten, sehen nun, dass ihre Wahl gleichberechtigt und international anerkannt ist.
Absolventen von höheren Fachschulen und Berufsprüfungen haben bereits hervorragende Arbeitsmarktchancen. Mit den neuen Titelzusätzen wird diese Stärke nun auch international sichtbar gemacht.
Ein Meilenstein für die Berufsbildung
Die Einführung der neuen Titelzusätze markiert einen Wendepunkt für die Schweizer Berufsbildungslandschaft. Durch bessere internationale Vergleichbarkeit und gestärkte Sichtbarkeit wird die höhere Berufsbildung attraktiver und konkurrenzfähiger. Die Reform signalisiert deutlich: Berufliche Exzellenz verdient globale Anerkennung.

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