UFLPA Enforcement Statistics Dashboard der CBP – Bedeutung, Rechtsgrundlage und praktische Relevanz für Schweizer Exporteure

Einordnung und Zweck des Dashboards

Das UFLPA Enforcement Statistics Dashboard der U.S. Customs and Border Protection (CBP) ist ein öffentlich zugängliches Transparenzinstrument zur Durchsetzung des Uyghur Forced Labor Prevention Act (UFLPA). Das offizielle Dashboard ist hier abrufbar: https://www.cbp.gov/trade/forced-labor/UFLPA-dashboard Das Dashboard stellt aggregierte Daten zu Sendungen dar, die im Rahmen des UFLPA-Verfahrens:
  • „gestoppt“ (stopped)
  • festgehalten (detained)
  • ausgeschlossen (excluded)
  • freigegeben (released)
wurden. Ziel ist es, Marktteilnehmern Einblick in die operative Praxis der US-Zollbehörden zu geben – insbesondere in Bezug auf Waren, bei denen ein Risiko von Zwangsarbeit vermutet wird. Für Schweizer Exporteure ist das Dashboard ein Frühwarnsystem: Es zeigt, welche Produktgruppen, Branchen und Ursprungsregionen aktuell im Fokus der US-Behörden stehen.

Rechtsgrundlage: Der Uyghur Forced Labor Prevention Act (UFLPA)

Der UFLPA ist seit Juni 2022 in Kraft. Er basiert auf einer widerlegbaren Vermutung („rebuttable presumption“): Waren, die ganz oder teilweise in der chinesischen Region Xinjiang (XUAR) hergestellt wurden – oder von bestimmten gelisteten Unternehmen stammen – gelten grundsätzlich als unter Einsatz von Zwangsarbeit produziert und sind daher vom Import in die USA ausgeschlossen. Die Rechtsgrundlagen stützen sich auf:
  • den UFLPA (2021)
  • Section 307 des Tariff Act of 1930 (Verbot von Zwangsarbeit)
  • Durchführungsleitlinien der CBP
Die Beweislast liegt beim Importeur. Dieser muss nachweisen, dass keine Zwangsarbeit in der Lieferkette enthalten ist.

Was bedeutet „gestoppt“ im Dashboard?

Eine wichtige Neuerung im Dashboard ist die Kategorie „stopped“ (gestoppt). Dabei gilt:
  • Eine „gestoppte“ Sendung wird administrativ pausiert
  • Sie wird nicht zwingend physisch untersucht
  • Sie ist nicht automatisch formell festgehalten (detained)
Der Unterschied ist entscheidend:
Status Bedeutung
Stopped CBP identifiziert potenzielles Risiko und fordert ggf. zusätzliche Informationen
Detained Formelles Zurückhalten der Ware
Excluded Import wird verweigert
Released Ware wird freigegeben
Da viele „gestoppte“ Sendungen nach Prüfung freigegeben werden, wirkt die Quote der „released“ Sendungen (z.B. 88 % im FY2026) relativ hoch. Das Dashboard erlaubt derzeit jedoch keine separate Filterung, um nur tatsächliche Festnahmen („detentions“) isoliert auszuwerten – was die Interpretation erschwert.

Neue Funktion: Filterung nach vierstelliger Tarifklassifizierung

Eine zentrale Verbesserung ist die Filterung nach vierstelliger HS-/Tarifklassifikation. Das ermöglicht:
  • gezielte Analyse einzelner Produktgruppen
  • Branchenmonitoring
  • strategische Risikobewertung

Beispiel: HS 8507 – Speicherbatterien

Speicherbatterien (HS 8507) erscheinen im Geschäftsjahr 2026:
  • als zweitmeist „gestoppte“ Ware nach Wert
  • auf Platz 9 nach Anzahl der Sendungen
Dies deutet auf hohe Warenwerte und verstärkte regulatorische Sensibilität hin – insbesondere im Kontext:
  • Energiespeicher
  • Elektromobilität
  • Solaranlagen
  • Industrieanwendungen
Für Schweizer Exporteure in diesen Bereichen ist dies ein klares Risikosignal.

Warum ist das für Schweizer Unternehmen relevant?

Auch wenn ein Schweizer Unternehmen:
  • in der Schweiz produziert
  • keine chinesischen Komponenten bewusst einkauft
kann es indirekt betroffen sein, wenn:
  • Vorprodukte aus Hochrisikoregionen stammen
  • Unterlieferanten Rohstoffe aus Xinjiang beziehen
  • Lieferketten nicht ausreichend dokumentiert sind
Besonders kritisch sind:
  • Solarprodukte
  • Polysilizium
  • Batterien
  • Elektronik
  • Textilien
  • Aluminium
  • kritische Mineralien

Praktische Auswirkungen bei einem UFLPA-Vorgang

Wenn eine Sendung „gestoppt“ oder „detained“ wird, kann dies:
  • Verzögerungen von Wochen oder Monaten verursachen
  • Lagerkosten erhöhen
  • Vertragsstrafen auslösen
  • Geschäftsbeziehungen gefährden
  • Reputationsrisiken schaffen
US-Importeure reagieren sehr sensibel auf Branchenmeldungen. Bereits das Bekanntwerden von Festhaltungen in einem bestimmten Sektor kann:
  • zu verschärften Due-Diligence-Anforderungen führen
  • zusätzliche Lieferantenerklärungen auslösen
  • Auditpflichten erzeugen
  • Vertragsklauseln ändern

Was sollten Schweizer Exporteure konkret tun?

Lieferketten-Mapping

  • Transparenz mindestens bis zur Rohstoffebene
  • Identifikation indirekter China-Bezüge
  • Dokumentation der Materialherkunft

Schriftliche Nachweise bereithalten

CBP verlangt typischerweise:
  • vollständige Supply-Chain-Dokumentation
  • Produktionsaufzeichnungen
  • Transportnachweise
  • Zahlungsbelege
  • Auditberichte

Vertragsgestaltung prüfen

  • UFLPA-Compliance-Klauseln
  • Offenlegungspflichten für Unterlieferanten
  • Regressregelungen

Dashboard regelmässig monitoren

Das Dashboard kann als Risikofrühindikator dienen:
  • Taucht Ihre Warengruppe plötzlich gehäuft auf?
  • Verschiebt sich der Fokus auf bestimmte Materialien?
  • Steigt die Anzahl der gestoppten Sendungen signifikant?

Strategische Erkenntnisse aus dem Dashboard

Das Dashboard erlaubt folgende Analysen:
  • Welche Sektoren stehen im Fokus?
  • Wie hoch ist der Anteil formeller Festhaltungen?
  • Wie entwickeln sich Werte vs. Sendungsanzahl?
  • Gibt es strukturelle Verschiebungen (z.B. von Textilien zu Batterien)?
Es ersetzt keine Rechtsberatung, bietet jedoch:
  • Markttransparenz
  • politische Risikoeinschätzung
  • Compliance-Orientierung

Grenzen des Dashboards

Trotz der verbesserten Funktionalität bleiben Einschränkungen:
  • Keine detaillierte Differenzierung zwischen „stopped“ und tatsächlichen „detained“-Fällen
  • Keine unternehmensspezifischen Angaben
  • Keine Einzelfallbegründungen
  • Zeitverzögerte Aggregatdaten
Für eine präzise Risikoanalyse sind daher zusätzliche Quellen notwendig, etwa:
  • CBP-Enforcement-Mitteilungen
  • Entity Lists
  • Branchenberichte

Fazit für Schweizer Exporteure

Das UFLPA-Dashboard ist kein reines Statistiktool – es ist ein politisches Signal- und Risikoinstrument. Es zeigt:
  • Wo regulatorischer Druck entsteht
  • Welche Branchen potenziell betroffen sind
  • Welche Produktgruppen aktuell überwacht werden
Für Unternehmen mit US-Geschäft gilt: UFLPA-Compliance ist kein China-Thema – sondern ein Lieferketten-Thema. Wer heute in die USA exportiert oder Komponenten mit möglichem China-Bezug einsetzt, sollte:
  • proaktiv Transparenz schaffen
  • Dokumentationsstandards erhöhen
  • vertragliche Absicherung prüfen
  • regulatorische Trends kontinuierlich beobachten
Gerade in Sektoren wie Energiespeicher, Elektromobilität oder Photovoltaik können regulatorische Entwicklungen in den USA direkte Auswirkungen auf Schweizer Hersteller haben.