Noch vor drei Jahren war generative KI für die meisten Menschen ein abstraktes Konzept. Heute gehören KI-Assistenten zum Arbeitsalltag von Millionen. Die Geschwindigkeit dieser Entwicklung ist beispiellos, und wir stehen erst am Anfang. Was einmal als einfacher Chatbot begann, hat sich zu einem Ökosystem hochspezialisierter Modelle entwickelt, die unterschiedliche Stärken mitbringen. Wer KI heute professionell nutzen will, muss verstehen, welches Modell für welchen Einsatzzweck am besten geeignet ist.
Für den Bereich KI in Compliance ist die Wahl des richtigen Modells besonders relevant: Während ein Modell bei Recherche und Quellenprüfung glänzt, liefert ein anderes die nötige Tiefe für regulatorische Analysen.
ChatGPT von OpenAI – Der Allrounder
ChatGPT war das Modell, das KI in den Mainstream gebracht hat. Und es bleibt ein starker Allrounder. Für schnelle Aufgaben im Alltag, für Brainstorming, für die Erstellung von Marketingtexten und für die Bildgenerierung mit DALL-E ist es nach wie vor eine ausgezeichnete Wahl. Das Plugin-Ökosystem ist das breiteste am Markt, und die Integration in bestehende Workflows ist gut gelöst. Wo ChatGPT an Grenzen stösst, sind längere, nuancierte Analysen und komplexe mehrstufige Aufgaben, bei denen Kontextverständnis über viele Seiten hinweg entscheidend ist.Claude von Anthropic – Der strategische Partner
Claude ist das Modell, mit dem ich persönlich am intensivsten arbeite, und das aus gutem Grund. Bei anspruchsvollen Texten, strategischen Analysen und Code-Entwicklung liefert Claude konsistent die höchste Qualität. Was Claude besonders auszeichnet, ist das Kontextverständnis: Das Modell kann mit extrem langen Dokumenten arbeiten und dabei den roten Faden halten, was bei komplexen Projekten entscheidend ist. Was mich aber am meisten überzeugt, ist das Cowork-Modell. Claude arbeitet nicht wie ein klassischer Chatbot, dem man Fragen stellt und Antworten bekommt. Claude arbeitet als Partner. Mit Claude Code entwickle ich meine eigenen Tools, automatisiere Prozesse und baue komplette Anwendungen. Die KI liest meinen bestehenden Code, versteht die Architektur und entwickelt eigenständig weiter, während ich die Richtung vorgebe. Das ist keine Spielerei, das ist eine fundamental andere Art zu arbeiten. Es ist die Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI auf Augenhöhe, bei der beide Seiten ihre Stärken einbringen. Mein F&Q-Tool für Live-Events, meine Automatisierungs-Workflows, diese Website selbst – alles entsteht in diesem Cowork-Modell.Perplexity – Die Recherche-Maschine
Perplexity hat eine Nische besetzt, die kein anderes Modell so gut bedient: die quellenbasierte Recherche. Während ChatGPT und Claude aus ihrem Trainingswissen antworten, durchsucht Perplexity in Echtzeit das Internet und belegt jede Aussage mit konkreten Quellen. Für Marktanalysen, Wettbewerbsrecherchen und aktuelle Fachinformationen ist Perplexity deshalb mein erstes Tool der Wahl. Es ersetzt keine tiefe Analyse, aber es liefert den fundierten Ausgangspunkt, auf dem alles Weitere aufbaut.Gemini von Google – Das Ökosystem-Modell
Gemini hat eine natürliche Stärke dort, wo Google stark ist: in der Integration mit dem gesamten Google-Ökosystem. Wer tief in Google Workspace arbeitet, mit Google Docs, Sheets und Gmail, findet in Gemini einen Assistenten, der nahtlos eingebettet ist. Zudem punktet Gemini bei multimodalen Aufgaben, also der gleichzeitigen Verarbeitung von Text, Bild und Video. Für Unternehmen, die im Google-Universum zu Hause sind, ist Gemini die natürlichste Wahl.Meine Empfehlung: Nicht eines, sondern das richtige
Der grösste Fehler, den ich in Unternehmen sehe, ist die Suche nach dem einen perfekten KI-Modell. Die Realität sieht anders aus. Professionelle KI-Nutzung bedeutet, das richtige Werkzeug für die richtige Aufgabe zu wählen. Perplexity für die Recherche, Claude für komplexe Projekte und strategische Arbeit, ChatGPT für schnelle Alltagsaufgaben, Gemini für die Google-Integration. Wer dieses Portfolio beherrscht, arbeitet nicht nur effizienter, sondern qualitativ auf einem anderen Niveau.Und das ist erst der Anfang
Was wir heute erleben, ist nicht das Ende einer Entwicklung, sondern der Anfang. Die Modelle werden schneller, kontextfähiger und autonomer. Agentic AI, bei der KI-Systeme eigenständig mehrstufige Prozesse durchlaufen, ist keine Zukunftsvision mehr, sondern Realität. Die Frage ist nicht, ob KI Ihren Arbeitsalltag verändern wird. Die Frage ist, ob Sie bereit sind, diese Veränderung aktiv zu gestalten.Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf moderation-plus.ch – dem Portal von Claudia Feusi für KI-Integration, Prozessautomatisierung und Event-Moderation.